Slippen - Auf Schienen ins Wasser

Slipptermin! Auf Schienen ins Wasser

Es hat sich Anfang Mai langsam angekündigt. Die strikten Corona Maßnahmen sollen schrittweise gelockert werden und auch das Vereinsleben im Wassersport soll davon, von Beginn an betroffen sein. Es war also langsam absehbar, dass mein Boot endlich ins Wasser kommt.

Am 10.05.2020 stand dann fest, die Dulcibella geht am 15.05.2020 ins Wasser. Für mich ist es das erste Mal ein Boot zu Wasser zu lassen. Während das zu Wasser lassen am Kran für mich nicht ungewöhnlich und dementsprechend auch nicht so aufregend ist, wird die Dulcibella, in Nordenham aber auf ganz einfache Weise auf einem Slipptrailer ins Wasser gelassen. Stehend auf dem Trailer, nur an einem Stahlseil die Bahnschienen ins Wasser zu fahren hat schon seinen gewissen Nervenkitzel. 

Gerade wenn man es das erste mal macht, ist man skeptisch. Hält das alles? Fallen wir nicht um? Das sind nur einige der Gedanken die mir in dem Moment durch den Kopf gegangen sind. Zum Glück war das Ganze nur für mich neu und ich hatte eine Erfahrene Truppe an meiner Seite die genau wusste, was zu tun war.

Bevor es aber ins Wasser ging, waren nich ein paar Kleinigkeiten zu erledigen. Unter anderem musste noch sämtliches Frostschutzmittel aus den Leitungen abgelassen und der Motor getestet werden. Doch bevor wir damit anfangen konnten, mussten erstmal die Batterien aus dem Winterschlaf geweckt und eingebaut werden.

Keine Lust zu lesen?  Hier gehts zum Video! Der Blog ist allerdings ausführlicher 😉

Loch in die Bilge bohren? Ob das so eine gute Idee ist?
Mit der Albin Vega hab ich mich für ein Boot entschieden, welches mit der Klassenvereinigung ein wirklich große Community hat. Das hat den Vorteil, dass man eine Menge Vega Segler kennenlernt und jeder hat seine Vega anders ausgestattet und hat seine ganz persönlichen Erfahrungen gemacht. 

Ok, seien wir mal ehrlich. Natürlich sind nicht alle Vegas Top in Schuss oder geschweige denn fachmännisch in Stand gehalten. Letzten Endes kommt es immer auf den Typ Eigner an, ob er sein Boot pflegt und nicht auf das Boot selbst. Zum Glück gibt es in der Klassenvereinigung den ein oder anderen versierten Schrauben und erfahrenen Seebären, mit etlichen zurückgelegten Seemeilen auf der Vega, welchem man wirklich trauen kann.

Und einer dieser erfahrenen Seemänner ist Dieter von der “Kenternix”. Allein der Name vom Boot ist eine Erwähnung wert. Dieser Dieter ist zum Glück sehr aktiv in der Klassenvereinigung und beantwortet dort jede Frage im Forum, gibt Workshops und ist zur Not auch am Telefon für dringende Fragen zu haben. Dieter, danke das es dich gibt und das  du dein Wissen nicht für dich behältst.

Aber ich schweife ab. Die Vega´s aus früheren Baunummern (ich weiß nicht genau welche) haben einen von der Bilge getrennten Kielkasten mit eigenen Ablassschrauben im Kiel. Die Ablassschrauben sind aus Messing und neigen dazu, mit der Zeit zu gammeln und undicht zu werden. Da die meisten Eigner sich im Winterlage nicht die Mühe machen diese zu öffnen und eventuell vorhandenes Wasser Abzulassen, besteht hier die Gefahr von Frostschäden. 

Besagter Dieter empfiehlt daher, die Ablassschrauben dicht zu laminieren und eine Loch in die Bilge zu bohren um von dort einen Zugang zum Kielkasten zu erhalten. Sollte dort Wasser drin stehen, lässt es sich problemlos mit einem Nasssauger aussaugen. Diese Empfehlung ist für mich total logisch. Warum sollte ich einen Ort im Boot haben, wo Wasser eindringen könnte, ohne das ich davon etwas mitbekomme? Also hab ich die Ablassschrauben dicht laminiert. Einfach über die Schrauben drüber, ganz im Sinne von “doppelt hält besser”.
Jetzt fehlte noch das Loch in der Bilge. 

Auch wenn die Idee hinter dem Loch absolut plausibel und vernünftig ist, war es schon ein komisches Gefühl die Lochsäge anzusetzen und ein großes Loch in die Bilge zu bohren (Man kann alternativ auch ein Vibrationsschneider oder eine Stichsäge nehmen). Zu meiner Überraschung war der Kielkasten furztrocken. Dieter hatte mich auf Wasser, Dreck und Schmodder eingestellt 😉 Umso besser! Jetzt habe ich einen neuen tiefsten Punkt im Boot, welchen ich aus dem inneren kontrollieren kann. In Zukunft wird hier eine automatische Bilgenpumpe installiert, welche ihre Arbeit hoffentlich nicht verrichten muss.

Frostschutz ablassen und entsorgen.

Frostschutz gehört nicht in die Umwelt. Damit das auch nicht passiert, musste der komplette Frostschutz an Land abgelassen werden und entsorgt werden. Für die Seewassertoilette hab ich den Frostschutz mit einem Eimer aufgefangen und mit klarem Wasser ordentlich gespült. Das selbe habe ich mit dem Frischwassertank und der zugehörigen Leitung zur Spüle gemacht. 

Etwas umständlicher wurde es beim Motor. Hier hatte ich zwei Möglichkeiten in Betracht gezogen. 
1. Frischwasser bei laufendem Motor in den Seewasserfilter zu kippen bis am Auslass nur noch klares Wasser kommt. Oder 2. den Kühlwasserschlauch am Motor abbauen, auffangen und selbes noch mit dem Wassersammler zu tun. 
Da ich sowieso den Wassersammler reinigen wollte und ich eine Menge Wasser zum Spülen brauchen würde, habe ich mich für die zweite Variante entschieden. Das hat auch Problemlos geklappt und aus dem Wassersammler kam erstaunlicherweise jede Menge Modder. Leider habe ich davon kein Foto aber es war echt eine Menge Dreck.

Batterien anschließen und Motor starten
Jetzt mussten nur noch die Batterien wieder angeschlossen werden und dann könnte der Diesel nach 7 Monaten Pause auch mal wieder ein wenig tuckern. Da meine Vega im Winterlager draussen stand, habe ich die Batterien ausgebaut, geladen und zuhause im warmen gelagert. Das werde ich auch so beibehalten und das kann ich auch jedem nur empfehlen. Batterien sind sehr teuer und sollten gut gepflegt werden. 

Nachdem die Batterien angeschlossen waren wurde noch der Benzinhahn und das Rücklaufventil aufgedreht und dan durfte der gute Beta Marine 14ps Motor ma wieder drehen. Zumindest für einen Moment. Denn er startete problemlos ging aber genauso schnell wieder aus. Bestimmt Luft in der Leitung, also zweiter Versuch. Diesmal hat er länger durchgehalten, ist aber wieder abgesoffen. Dreimal ist Bremer Recht und siehe da, beim dritten Versuch lief alles rund und der Beta Diesel tuckert in aller Ruhe und Gelassenheit vor sich hin. 

In 30 Minuten ist Hochwasser, zieh zu das du fertich wirst! 

Was für mich alles absolut aufregend war, war für meinen Slipobmann und Trekkerfahrer absolute Routine. Ich hatte die Zeit schon total vergessen aber die mahnende Worte von Werner meinem Slipobmann und Vereinsvorstand “In 30 Minuten ist Hochwasser. Mach zu das du fertich wirst” haben mich wieder in die Spur gebracht. Ich habe schnell alles weggeräumt den Trailer fertig gemacht und im nu wurde ich durch die Halle zum Kran gefahren.
Zu viert standen wir dann an den Ketten des Krans um DulciBella per Manneskraft auf den Sliptrailer zu verholen. 

Dort angekommen blieb keine Zeit zum durchatmen, schnell hoch aufs Boot und an den Rungen festmachen. “Hast du Vor -und Achterspring gelegt” fragt Werner mich. Ich schau ihm mit fragendem Blick an “Wozu brauch ich die, ich bin doch fest”.  Zurück kam lediglich “das wirst du dann schon merken”. Also hab ich die Springs gelegt und wurde Richtung Weser gefahren.

Beim Auslippen wurde ich gezogen und ich dacht auf selbe Art und Weise geht es auch wieder ins Wasser. Bis ich erfahren habe, dass wir einfach losgelassen werden und quasi im freien Fall auf den Schienen ins Wasser gleiten wurde mir etwas mulmig. Ob das gut geht? Doch bevor ich was sagen konnte polterten wir auch schon in Richtung Weser. Es war etwas ruppig aber nicht beängstigend. Die Kräfte die dort entstehen sind aber gewaltig und jetzt war mir auch klar wofür die Springs gedacht sind. Ohne sie wären wir vermutlich so über den Trailer gerutscht. Jetzt waren wir im Wasser hatte aber nicht die berühmte Handbreite unterm Kiel. Also Ehrenrunde, wieder ein Stück rausgezogen und mit Schwung zurück ins Wasser. Beim dritten Anlauf, auch hier gilt allem Anschein nach das Bremerrecht, waren wir soweit eingetaucht das wir frei schwammen. Jetzt schnell alle Seewasserventile kontrollieren, Motor starten, losmachen und Richtung Hafen fahren.

Im Nachhinein betrachtet, ist eigentlich alles ganz gut gelaufen. Aber wie das mit allen Dingen so ist, muss man eine gewisse Routine entwickeln um das ganzen etwas entspannter angehen zu lassen. Ich bin auf jeden Fall eine Erfahrung reicher geworden und bin froh endlich wieder Wasser unterm Kiel zu haben.

Ganz lieben Dank an dieser Stelle an den Segel Club Nordenham, wo ich sehr herzlich als Gastlieger im Winterlager aufgenommen wurde. Ganz besonderen Dank an Werner und Alwin für eure stetige Hilfe.

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